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Eine Reportage über die Horrorautobahn A1 | Drucken |  E-Mail

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Die A1 wurde schon oft gesperrt (photocase.com)
Ein VW-Transporter, besetzt mit fünf Personen, schießt über die provisorische Leitplanke in den Gegenverkehr, prallt frontal gegen einen Passat und gegen einen Lkw, wird dann wieder zurück auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Die Rettungskräfte finden ein Bild des Grauens vor: zwei Tote, acht Schwerverletzte, darunter drei Kinder. Es ist der schlimmste Unfall seit dem Ausbau der A1 zwischen Hamburg und Bremen.
Eine Stauwelle von riesigem Ausmaß hat die Autobahn erfasst.

 

Der Grund: Mehr Geld als jemals zuvor fließt aus den Bundeskassen in den Straßenbau, insgesamt zwölf Milliarden Euro. Die Bauwut resultiert aus den beiden Konjunkturprogrammen des Bundes. Bis spätestens 2011 müssen die Mittel ausgegeben werden. Was den Weg für den nächsten Wirtschaftsboom ebnen soll, sorgt erst einmal für das Gegenteil: Deutschland steckt fest, jedenfalls verkehrstechnisch.

Der Fernsehsender NDR berichtet am Sonntag, den 20.02.2010 ab 08.30 Uhr in einer Reportage über die Verkehrsverhältnisse auf der A1.

Hamburg als wichtigster Industrie- und Logistikstandort Deutschlands ist für vier Jahre vom Rest der Republik nur bedingt erreichbar. Jahrelang wurde die Erweiterung der Autobahn herbeigesehnt. Doch jetzt, wo sie da ist, entwickelt sich die größte Straßenbaustelle Europas mit über 70 Kilometern Länge zu einem Monstrum, das immer neue Schreckensmeldungen produziert. Steigende Unfallzahlen, kilometerlange Staus, entnervte Anwohner und Pendler, Polizisten im Dauerstress. Der Ausbau der A1 hat das Leben der Beamten verändert: Die Unfallzahlen haben sich verdoppelt, vermehrte Geschwindigkeitskontrollen müssen gefahren werden und die Verkehrsführung im Baustellenbereich änderte sich täglich. Wegen der ständigen Staus kommt die Polizei nur schwer zu den Unfallstellen. Zeitweise sind ganze Autobahnabschnitte gesperrt. Autofahrer müssen mit fast doppelter Fahrzeit rechnen.
Den Tribut, den ein solches Bauwerk fordert, hatten Politiker und Planer unterschätzt: Täglich werden die engen Fahrspuren für viele Verkehrsteilnehmer zur Falle. Nur eine Handbreit sind oft die Lkw-Reifen vom überholenden Pkw entfernt, für einige Passagen der Strecke besteht ein generelles Überholverbot - und doch preschen immer wieder Personenwagen und Transporter über die nur zwei Meter breite Spur, geraten Fahrer in Panik, was oft schlimmste Folgen hat.
Lutz G. Wetzel hat mit seinem Kamerateam den schwierigen Alltag auf der größten Autobahnbaustelle Europas dokumentiert und Menschen begleitet, die mit dieser Herausforderung zurechtkommen müssen: Autofahrer, Planer, Verkehrsexperten, Anwohner, Bauarbeiter und die Beamten der Polizeiwache in Sittensen. Sie alle müssen noch fünf Jahre durchhalten, solange befindet sich die A1 noch im Ausnahmezustand.

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