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| Programmtipp für den 17.10.2006 | |
| Ein Tag auf Havel und Spree |
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| SWR, 23:00 Uhr | |
| Fedor Pfistner wirft den Motor an. Volle Kraft voraus, Richtung Schleuse Charlottenburg. Der Mann in Jeans und mit schwarzer Mähne ist Skipper der "Archenova". Mit dem Kirchenboot fährt er raus zu den Lastkähnen auf Havel und Spree, trifft erfahrene Schiffer und junge Skipper. Der 57-jährige Theologe ist Schifferseelsorger in Berlin und Brandenburg. Er trifft die Binnenschiffer, wenn sie ihre Ladung löschen oder über Nacht im Hafen liegen. Er besucht die alten Berliner Schifferfamilien, die schon seit Generationen auf dem Wasser zu Hause sind. Wie die Buhleys, die seit 1990 in Spandau mit ihrem alten Lastkahn vor Anker liegen. Damals haben sie ihren Beruf an den Nagel gehängt - nach mehr als 40 Jahren Arbeit an Bord. Ihr Schiff stellten sie dem Verein "Gute Fahrt" zur Verfügung, wohnen aber heute noch auf dem Kahn. Der alte Frachtraum wurde zum Fest- und Vereinssaal umgebaut. Wo man hinschaut, haben die Vereinsmitglieder - allesamt Binnenschiffer - Erinnerungsstücke an die Wand und an die Decke gehängt: alte Schiffsglocken, Steuerräder, Fotos. Gelegentlich hält Fedor Pfistner hier einen Gottesdienst und trifft sich mit den Schiffern zum Frühschoppen. Seine Lebensplanung sah zunächst anders aus: Kinder- und Jugendsportschule in der DDR, Meister bei SC Dynamo Berlin, Querfeldein-Champion im Radfahren. Dann aber fiel dem Staat auf, dass das junge Talent sich weigerte, in die SED-Nachwuchsorganisation einzutreten. Er flog von der Schule, holte das Abitur jedoch auf der Abendschule nach, studierte Theologie und ging in den Gemeindedienst. Als dann nach der Wende die Stelle des Schifferseelsorgers frei wurde, griff er zu, denn Fedor Pfistner liebt das Wasser, die Arbeit auf dem Boot und den Kontakt zu den Binnenschiffern. Er macht einen Job, den es eigentlich gar nicht mehr gibt. Die evangelische Kirche strich die Stelle schon 1999. Doch der Trägerverein der Schiffergemeinde Berlin übernahm die Personalkosten. Pfistner ließ sich von seiner Kirche in den "Wartestand" versetzen. Er verzichtet auf ein Viertel seiner alten Bezüge und arbeitet seither als Ein-Mann-Unternehmen. "Die Kirche darf sich nicht zurückziehen in ihre Kirchengebäude. Wir müssen rausgehen zu den Menschen", sagt Pfistner. Einen Tag lang sind Reporter Andreas Malessa und ein Team vom SWR Fernsehen mit Pfarrer Pfistner auf der Havel und der Spree unterwegs. Sie erleben Berlin von einer ganz ungewöhnlichen Seite. Und sie lernen Menschen kennen, die auf Europas Flüssen unterwegs und in Berlin zu Hause sind. | |
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