Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin: Umstrittene Therapien. Dokumentationsreihe, Deutschland 2004, WDR. Von: Uwe Kersken, Christian Feyerabend

Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin: Umstrittene Therapien. Dokumentationsreihe, Deutschland 2004, WDR. Von: Uwe Kersken, Christian Feyerabend

Sternstunden der Medizin: Umstrittene Therapien. Dokumentationsreihe, Deutschland 2004, WDR. Von: Uwe Kersken, Christian Feyerabend
Sender: arte
Uhrzeit: 14.00-14.45
Datum: Donnerstag 02. Dez 04

(4): Umstrittene Therapien. Herzkatheter-Untersuchungen waren anfangs verpönt. "Mit solchen Kunststücken habilitiert man sich in einem Zirkus, und nicht an einer anständigen Klinik!" kommentiert der weltberühmte Chirurg Sauerbruch den Versuch des jungen Assistenzarztes Werner Forßmann, als dieser sich 1929 einen dünnen Schlauch durch die Vene schiebt. Bis in die rechte Herzkammer, die er erkunden will. Ein Versuch auf Leben und Tod. Doch er glückt und wird zu einer Sternstunde für die Herzchirurgie. Denn der Herzkatheder macht es möglich, Herzprobleme zu diagonstizieren und zu heilen: Am 29. November 1944 wagt Blalock in Baltimore die erste Operation am offenen Herzen. Er rettet Tausenden das Leben. 1960 setzten der Herzchirurg Albert Starr und der Ingenieur Lowell Edwards erstmals einem Patienten eine künstliche Herzklappe aus Silikon ein. Christian Barnard nimmt 1967 seine erste Herzoperation vor, die das Leben vieler Todgeweihter um einige Jahre verlängert. Und Herzschrittmacher halten seit 1958 die Pumpe von Millionen am Laufen. Krebs gilt bis heute als lebensbedrohliche Krankheit, die man mit Skalpell, Strahlen oder Chemie bekämpft. Als der Physiker Wilhelm Röntgen 1895 die X-Strahlen entdeckt, stellt man bald fest, dass diese Strahlen auch Zellen zerstören und somit Krebszellen am Wuchern hindern können. Paul Ehrlich wird 1905 zum Vater der Chemotherapie. Seitdem entdeckt man immer neue Mittel, die das Wachstum der Krebszellen im Körper eindämmen sollen. Doch oft sind die Diagnoseverfahren den therapeutischen Möglichkeiten voraus und somit zeigt diese Krankheit auch deutlich die Grenzen der Medizin.In die "Städtische Heilanstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt am Main" wird 1901 eine Frau eingeliefert. Sie ringt nach Worten, ist ängstlich, verwirrt und orientierungslos. Den Arzt hält sie für ihren Mann, und alle Fragen beantwortet sie mit: "Auguste". Auguste ist erst 52 Jahre alt. Am 25. November legt der behandelnde Arzt, Dr. Alois Alzheimer, die erste Krankenakte von Frau Auguste Deter an und dokumentiert ab nun die geistigen Veränderungen und den Verfall seiner Patientin. Als sie stirbt, entdeckt er beim Sezieren in ihrem Gehirn seltsame Ablagerungen, verfilzte Faserbündel und tote Nervenzellen. Noch weiß er nicht genau, wie sich die Zerstörungsprozesse im Gehirn abspielen, doch er schreibt eine Abhandlung über "Eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde" und wird damit Jahre später zum Namensgeber der tödlichen Krankheit: Morbus Alzheimer. Bis heute forscht man verzweifelt nach einem wirksamen Medikament. [Zusatzinfo] Für die Serie wurde in zehn Ländern rund um den Globus an den Originalschauplätzen der "Sternstunden" gedreht: Unter anderem im Äther-Dom in Boston, wo am 16. Oktober 1846 die erste Narkose den Weg in die moderne Chirurgie frei machte, im Labor von Sir Alexander Fleming in London, wo er 1928 per Zufall das lebensrettende Penicillin entdeckte, in der weltberühmten Sammlung zur Geschichte der Medizin im Wiener Josephinum und in den Instituten der Pioniere, wie dem Herzchirurgen Norman Shumway, dem Lehrer von Christiaan Barnard, und dem Nobelpreisträger Joseph Murray, der erfolgreich die erste Niere verpflanzte. Die Sternstunden der Medizin wurden mit Schauspielern rekonstruiert, zum Teil an den Originalschauplätzen wie dem Gartenhaus Edward Jenners in Berkeley, der dort die erste Impfstation der Geschichte eingerichtet hatte. Die Zuschauer erleben szenisch die erste dokumentierte Blutstillung während einer Operation durch den Feldscher Ambroise Paré im Jahre 1552, die Entdeckung der Kindbettursachen durch Ignaz Semmelweis in Wien und die dramatische Erprobung des Insulins 1922 in einem kleinen Labor in Toronto.

Webtipp: Fachverband Medizingeschichte - http://www.fachverband-medizingeschichte.de/


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