Schon seit Jahren wird uns in den Medien immer wieder von der Niedrigzinspolitik berichtet. Dabei bleibt oft im Dunkeln, worin die Auswirkungen auf die einzelne Privatperson liegen. Wir möchten deshalb einen genauen Blick auf die Konsequenzen im kleinen und großen Rahmen werfen.

Profitierende Kreditnehmer

Um zu verstehen, wie sich die niedrigen Zinsen konkret auswirken, muss der Blick zunächst auf das Vorhaben der EZB gelenkt werden. Die Verantwortlichen um Mario Draghi kommen mit den niedrigen Leitzinsen dem Vorhaben nach, die Konjunktur weiter zu stützen. Dies gelingt auf der Grundlage günstiger Kredite, die dank der niedrigen Zinsen möglich sind. Einerseits sind Unternehmen dazu in der Lage, neue Investitionen zu tätigen, die zu neuen Arbeitsplätzen und größeren Umsätzen führen. Auch Privatpersonen sollen durch die Niedrigzinspolitik jedoch wieder mehr Geld ausgeben, das ihnen durch Ratenkredite zur Verfügung steht. Diese Vergleichswebseite zeigt anschaulich, wie günstig die Konditionen aktuell tatsächlich sind. 

Die Sicht der Sparer

Hinzu kommt, dass sich Sparanlagen aufgrund der ebenfalls niedrigen Guthabenzinsen kaum mehr lohnen und die Entscheidungen dadurch zusätzlich unterstützen. Am deutlichsten lässt sich diese Folge am klassischen Sparbuch erkennen. Während es mit diesem in den vergangenen Jahren möglich war, nette Zuwächse der Einlagen zu verbuchen, wurde diesen Chancen ein Riegel vorgeschoben.

Viele Banken sind nur noch dazu bereit, Zinssätze von etwa 0,1 Prozent auf das angelegte Geld anzubieten. diese reichen nicht einmal mehr aus, um die Kosten zu decken, welche durch die Inflation entstehen.

Damit verliert das Geld während der Dauer der Anlage über die Inflation an Wert und ein Zuwachs rückt in weite Ferne.

Immer mehr Sparer lenken ihren Fokus aus diesem Grund auf den Aktienmarkt. Aktien und Anleihen präsentieren sich als attraktive Möglichkeit, um zumindest Renditen in Kombination mit einem gewissen Risiko zu verbuchen. Durch die neue Affinität für diese Anlage steht wiederum den Börsen günstiges Kapital zur Verfügung, welches die Kurse in den vergangenen Jahren deutlich in die Höhe trieb und für einen neuen Aufschwung sorgte.

Profiteure in Europa

Die Staaten Europas können derweil als Profiteure von der aktuellen Politik der EZB angesehen werden. Dies geht auf die hohen Schulden zurück, welche viele Länder in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten anhäuften. Durch die niedrigen Leitzinsen verringern sich in der Folge auch die Summen, welche allein zur Deckung der Zinslast notwendig sind. An und für sich liegt darin für manchen Staat die Möglichkeit, vielfache Millionensummen zu sparen und damit womöglich der Staatspleite zu entgehen.

Andererseits würden gerade finanziell unter Druck geratene Länder wie Spanien oder Italien mit dem Rücken zur Wand stehen, wenn die Zinsen eines Tages wieder steigen und damit deutlich höhere Summen für die Tilgung der Schulden zu bezahlen wären. Die aktuelle Niedrigzinspolitik ist damit auch ein Instrument, um das System stabil zu halten und einer weiteren Wirtschaftskrise aus dem Weg zu gehen.

Viele Experten warten nun gespannt auf die weitere Politik, welche die EZB in Deutschland verfolgt. Schließlich haben die Leitzinsen bereits ein historisches Tief erreicht, sodass nicht an eine weitere Senkung zu denken ist. Vor diesem Hintergrund müssen demnach innovative Maßnahmen ergriffen werden, um dem Negativzins noch entgehen zu können, der ein wirtschaftliches Experiment erster Klasse bedeuten würde.